John Wilkes war ein sehr unschöner Mensch, aber ein brillanter Gesprächspartner („It takes me only half an hour to talk my face away“). 1727 geboren, wurde er puritanisch erzogen und später auf einer dissenting academy erzogen. Diese privat finanzierten Hochschulen boten eine bessere Ausbildung als die anglikanischen grammar schools, deren Lehrplan noch aus dem 17. Jahrhundert stammte. Sein Vater, ein Brauereibesitzer, konnte ihm sogar ein weiteres zweijähriges Studium an der Universität Leiden ermöglichen. Ende 1740 heiratete Wilkes sehr günstig: Seine Frau brachte eine Mitgift von 100.000 £ und einen Landsitz mit in die Ehe. Die arrangierte Verbindung scheiterte an Wilkes Affären und seinem zügellosen Lebensstil. Seiner Ehefrau wurde nach der Scheidung nur eine Apanage von 200 £ zugestanden, um die sie teilweise noch vor Gericht streiten mußte, weil ihr Ex-Mann nicht zahlen konnte. Die puritanische Erziehung hatte in Wilkes das genaue Gegenteil bewirkt, er verschleuderte sein Geld bei Wetten, Pferderennen und Prostituierten, war Mitglied in mehreren berüchtigten Clubs (Hellfire Club, Sublime Society of British Beefsteaks, Madmen Abby) und tat auch nichts, um seinen Lebenswandel zu verheimlichen.
In den Clubs wurde er allerdings auch mit prominenten Politikern wie William Pitt bekanntgemacht. Ab 1757 saß er als Abgeordneter des Pitt-Flügels im Parlament, im April 1763 wurde er trotz seiner Immunität wegen des North Britain Nr. 45 verhaftet. Die Rechtsgrundlage stellte ein general warrant dar, ein Blanko-Haftbefehl gegen die mutmaßlichen Verfasser und Drucker der Zeitung, der erst eine Hausdruchsuchung ermöglichte. Im Mai wurde Wilkes gegen Kaution freigelassen, im November erklärte das Parlament die Nr. 45 zur seditious libel und machte damit den Weg frei zu einer Anklage wegen Hochverrats. Obwohl so die Voraussetzungen zu einem Schauprozeß mit Todesstrafe gegeben waren, konnte Wilkes sich durch seine Reden zum Volkshelden und Vorkämpfer der Freiheit stilisieren. In seiner ersten Ansprache vor Gericht bezeichnete er sich als glücklich, endlich vor einem ehrenwerten Gericht zu stehen und seine Beschwerden gegen die ministerielle Willkür vorbringen zu können. Diese dreiste Umkehrung der Verhältnisse fand Anklang und wurde in vielen Zeitungen nachgedruckt. Wilkes vermarktete seine politische Persönlichkeit und machte sich zum Beispielfall für die Lage der mittleren und unteren Schichten. Tatsächlich war er ein prominenter Politiker und Oberschichtler, in der Öffentlichkeit wurde er zum Opfer. Sogar die Richter konnte er beeindrucken, der Oberrichter sprach ihn frei und beurteilte sowohl seine Festnahme als auch die general warrants allgemein als illegal. Noch am Tag seiner Freilassung klagte Wilkes schriftlich alle an der Hausdurchsuchung Beteiligten des Diebstahls von Papieren aus seiner Wohnung an und erhielt mit anderen Beschuldigten insgesamt 4.000 £ Schadensersatz.
Am 4. November 1763 behauptete Samuel Martin, ein Anhänger Butes, im Parlament, er sei im North Britain persönlich angegriffen worden. Wilkes hatte nur zwei Möglichkeiten: Er konnte sich entschuldigen oder die Beleidigung bestätigen und Martin indirekt zum Duell fordern. Er entschied sich natürlich für das letztere, bestätigte seine Autorenschaft im North Britain (die zwar allen bekannt, aber nicht offiziell erwiesen war) und nannte Martin einen Feigling. Martin reagierte mit der Einladung zum Duell im Hyde Park mit Pistolen. Duelle waren zu dieser Zeit zwar gesetzlich verboten, aber sehr verbreitet. Es ging meist um politische Auseinandersetzungen oder Fragen der Ehre (seltener um Religion, Frauen oder Latein). Bei dem Schußwechsel im Hyde Park wurde Wilkes in den Bauch getroffen. Er und Martin bestätigten sich gegenseitig, ehrenwerte Männer zu sein und über den Fall Stillschweigen zu bewahren. Wilkes überlebte die Verletzung, mußte aber wegen seiner Betieligung am Duell nach Paris fliehen, von wo er sein Image als selbstloser Volksheld pflegte. Trotz seines luxuriösen Lebens in Paris nannte er sich „verfolgt von Folter“ und kam damit durch. Seine politischen Ziele hielt er wohlweislich vage, er berief sich vor allem auf die alte Verfassung und die Magna Charta.