1768 mußte Wilkes wegen seiner großen Schulden nach England zurückkehren, obwohl ihm dort weitere Prozeß Probleme drohten. Während der Hausdurchsuchung 1763 war eine obszöne Schrift (Essay on Woman) bei ihm gefunden worden, die als blasphemisch galt. Bereits 1764 schloß das Parlament ihn deshalb aus, ein Gericht erklärte ihn für vogelfrei. Wilkes’ Bemühen um Begnadigung bei Georg III. war natürlich aussichtslos, der König haßte den Politiker von ganzem Herzen. Deshalb mußte sich Wilkes in England rasch um ein Parlamentsmandat bemühen, um seine gerichtlich verfügte Rechtlosigkeit auszugleichen. Seine erste Kandidatur in Groß-London im Februar scheiterte, ein weiterer Versuch in Middlesex (dem Kern von London) war erfolgreich. Die folgende Verhaftung verletzte damit die Immunität eines Abgeordneten und traf außerdem einen Volkshelden. Mittlerweile gab es eine politisch interessierte Öffentlichkeit, die sich über die in coffee shops ausliegenden Zeitungen informieren konnte. Die Nachricht von Wilkes’ Verhaftung führte deshalb zu Unruhen. Wilkes war der Anlaß, aber nicht die einzige Ursache der Wut, die sich in gewalttätigen Demonstrationen entlud. Am 10. Mai 1768 setzte die Regierung Truppen gegen die Demonstranten ein und lieferte Wilkes damit eine propagandistische Vorlage. Jeder freie Engländer hegte eine Abneigung gegen ein stehendes Heer, das im Dienste eines Tyrannen die englische Freiheit bedrohen konnte. Angesichts von 11 Toten, die von der Armee vor seinem Gefängnis erschossen worden waren, sprach Wilkes vom Massacre of St. John’s Field und klagte die Regierung an. Wegen eines Formfehlers wurde er freigelassen, seine Vogelfreiheit wurde aufgehoben. Kurz darauf verurteilte ihn derselbe Richter aufgrund seines Essay on Woman zu 22 Monaten Haft. Anfang 1769 war Wilkes somit gleichzeitig Parlamentarier und Häftling, wenn auch unter sehr angenehmen Haftbedingungen. Er erhielt Unterstützung und Geschenke von anderen Häftlingen, aber auch von Politikern und sogar vom Abgeordnetenhaus in South Carolina. Um diesen Zustand zu beenden, schloß das Parlament ihn im Februar 1769 mit Zustimmung Georg III. erneut aus. Für dieses Vorgehen gab es zwar einen Präzedenzfall, doch der betraf einen unpopulären und korrupten Hinterbänkler. Das Problem verschärfte sich, als Wilkes in Middlesex wiedergewählt wurde, noch zweimal abgesetzt und zweimal gewählt wurde. Am 13. April 1769 erklärte das Parlament die Wahl für ungültig und bestimmte den eindeutig unterlegenen Henry Lord Luttrell zum Abgeordneten. Gegen dieses völlig illegitime Vorgehen gab es Widerstand in ganz England, mehr als 25% der Wähler unterzeichneten für Wilkes Freilassung, die Aufläsung des Parlaments und Neuwahlen. Mitglieder der Oberschicht gründeten die Society of the Supporters of the Bill of Rights zur Aufrechterhaltung der Freiheit und zur Unterstützung Wilkes’, distanzierten sich aber von seinen privaten Eskapaden. Die Society war die erste außerparlamentarische Organisation. Währenddessen lief die Vermarktung des prominenten Häftlings auf Hochtouren: Es gab Wilkes-Tassen und Aschenbecher, Balladen zu seinem Ruhm und Biographien mit verschiedenen Schwerpunkten (politisch bzw. anekdotisch). Diese populistische Strategie führte zur Spaltung der Society. Die 1771 gegründete Constitutional Society hatte keine Kontakte mehr zu Wilkes.