3.3 Ereignisgeschichte der Revolution – Die Invasion Wilhelms von Oranien

Wilhelm von Oranien war Jakobs Neffe und seit der Hochzeit mit dessen Tochter Maria auch sein Schwiegersohn. Er war der einzige Herrscher, der sowohl Motive und Machtmittel für eine Invasion als auch einen Hauch von Legitimation durch seine verwandtschaftliche Beziehungen zum König hatte. Zunächst mußte der Zug nach England propagandistisch vorbereitet werden: Die Invasion wurde als Befreiung von der katholischen Tyrannei deklariert, wobei Wilhelm jede Ambition auf die Königskrone weit von sich wies. Als Befreier forderte er ein Einladungsschreiben einflußreicher Engländern, die damit Hochverrat begangen hätten. Der mächtige Earl of Nottingham, der den Plan zunächst unterstützt hatte, bat um den Rat der Bischöfe und zog sich dann mit dem Hinweis auf die passive obedience zurück. Zum Schluß blieben nur die Immortal Seven als Unterzeichner, die am 13. Juni 1688 eine Einladung nach Den Haag schickten. Wilhelms Unterstützer waren weniger prominent, als er gehofft hatte und – wie der Earl of Davonshire und Henry Compton, Bischof von London – aus persönlichen Gründen gegen Jakob II. Trotzdem landeten Wilhelms Truppen am 5. November 1688 in Torvey und marschierten nach London. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Jakob II. nicht an eine Invasion seines eigenen Schwiegersohnes (noch dazu bei der schwierigen Überfahrt im Herbst) glauben wollen, obwohl Wilhelm schon im September 1688 in einer Deklaration die altruistischen Motive für sein Eingreifen dargestellt hatte.

Die niederländische Propagandamaschinerie war sehr effektiv, sogar zwei Druckerpressen hatten die Truppen mitgebracht, um auf Flugblättern Wilhelms Ziele zu verbreiten: Er wolle ein freies Parlament wählen lassen, die Abstammung des Thronfolgers untersuchen und erhob ausdrücklich keinen Anspruch auf den englischen Thron. Diese Zugeständnisse (die dem Oranier eigentlich zu weit gingen) waren politisch notwendig, um überhaupt eine Chance gegen den rechtmäßigen König zu haben. Denn die Bevölkerung verhielt sich abwartend und unterstützte keinen der Kontrahenten, die deshalb auf ihre etwa gleich großen Heere angewiesen waren. Lediglich York und Hull wurden von den Verbündeten Wilhelms eingenommen. Mehrere Wochen geschah nichts, Wilhelms Propaganda zog immer mehr Soldaten an sich. Zum ersten Mal reagierte Jakob II. richtig: Er machte alle unpoulären Maßnahmen und versprach ein freies Parlament. Wilhelm überbot ihn mit dem gefährlichen Zugeständnis einer declaration of rights, in der das Parlament die Rechte der Engländer festschreiben sollte. Grundsätzlich hätte dieses Versprechen nichts geändert, wenn man von der Aufrichtigkeit Jakob II. überzeugt gewesen wäre – so warteten die Entscheidungsträger weiter ab.

Schließlich führte Jakob sein Heer nach Solsbury, wartete aber trotz einer leichten Übermacht auf seiner Seite ab und zog sich wieder nach London zurück. Seine Motive sind nicht rational zu erklären, in seiner Exilzeit in Frankreich war Jakob II. ein fähiger Offizier gewesen. Wahrscheinlich hatte ihn das stetige Überlaufen seiner Anhänger demoralisiert, sogar seine zweite Tochter Anne Hyde war zu ihrem Schwager gegangen. Nun lag die Initiative bei Wilhelm. Jakob II. berief am 27. November ein Parlament für den 14. Januar 1689 ein und zog damit die Lords des Oberhauses auf seine Seite. Seine Position war gut, bis er offensichtlich völlig den Kopf verlor, sein Heer auflöste, das große Staatssiegel in die Themse warf und floh. Das ausbrechende Chaos gab Wilhelm die Möglichkeit, sich als Retter zu profilieren, bis der von Fischern gefaßte König am 16. Dezember nach London zurückgebracht und mit Jubel empfangen wurde. Der Oberbürgermeister von London lud Wilhelm zwar in die Stadt ein, die Lords und Bischöfe standen aber weiterhin loyal zum König, der kurz darauf der Forderung seines Kontrahenten entsprach, die Stadt zu verlassen. Er war jetzt in der Gewalt niederländischer „Begleiter“ und deshalb sehr gefährdet. Am 23. September 1689 floh er aus dem Landsitz von Rochester, wo er gefangen gehalten worden war, um Unterstützung bei Ludwig XIV. von Frankreich zu suchen. Erst jetzt, nach der geglückten Flucht Jakob II., konnte Wilhelm nach der englischen Krone greifen.