Die hohen Kriegskosten führten zu einer Verschuldung der Krone, die nicht mehr kurzfristig abbezahlt werden konnte. Zwischen 1690 und 1720 entstand eine dauerhafte Staatsschuld – eine bisher unvorstellbare Situation. Die Stellung des Monarchen wurde in dieser Frage zurückgedrängt, die royal debt wurde zur national debt und zur Sache des Parlaments. 1698 wurde mit dem civil list act festgelegt, daß die Kosten für alle Ämter des Königs und der Regierung (ca. 700.000 £) jährlich vom Parlament zu bewilligen waren, ein erster Schritt zum Staatshaushalt. Die gewaltigen Summen für den Krieg waren nicht eingeschlossen, sondern wurden jeweils neu verhandelt und bewilligt.
Zwei neue Arten von Steuern wurden eingeführt. Die excise, eine Umsatzsteuer auf Salz und Seife, betraf zum ersten Mal alle Einwohner des Königreiches, die land tax (zwischen 2 und 4 Schilling pro eingenommenem £) galt natürlich nur für Grundbesitzer. Für beide Steuern wurde ein eigenes Gesetz und eine eigene Behörde eingerichtet, bisher hatten die lokalen Friedensrichter nach Gutdünken über die zu zahlenden Summen entschieden. Alle anderen Einkünfte blieben unbesteuert. Eine weitere Einnahmequelle waren die Staatsanleihen (funded debt). Sie wurden an Privatleute verkauft und zunächst wegen des vermeintlich hohen Risikos mit 14% p.a. verzinst, mit ihrer Etablierung sanken die Zinsen auf 6 – 8%. Die Zinsen wurden aus einem fund gezahlt, der mit den Einnahmen aus excise und land tax gefüllt wurde. Die reine Schuldenadministration nahm zu, Teile der Mittelschicht konnten bereits von den verzinsten Staatsanleihen leben.
Einfacher als die kompliziert zu verwaltenden Privatkredite waren Darlehen des Staates von großen Gesellschaften. Die Bank of England wurde z.B. 1694 nur zu dem Zweck gegründet (und mit charter versehen), der Krone unverzüglich einen Kredit über 600.000 £ zu geben. Trotz dieses Geburtsfehlers konnte sie sich durchsetzen und vor allem Banknoten als nationales Papiergeld einführen (die allerdings bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch mit Wechseln konkurrierten). Der zweite große Kreditgeber war die East India Company, die ein Monopol auf den britischen Handel mit Indien hatte. Sie war Anfang des 17. Jahrhunderts als Gesellschaft gegründet worden, um das hohe Risiko und die hohen Kosten des Indienhandels auf mehrere Händler zu verteilen. Anfangs starteten jeweils zwei Schiffe pro Expedition, von deren Rückkehr oft die ganze Existenz der beteiligten Kaufleute abhing. Später institutionalisierte sich das Geschäft immer mehr, es wurden shares (Anteile) verkauft und anteilige Renditen ausgeschüttet.
Das Geschäft mit den shares erweiterte das Angebot des royal exchange, des Marktes für ausländische Güter in London. Es entstand ein stock exchange (Aktienmarkt). Der Erfolg der East India Company mit diesem System führte vor allem nach dem Frieden von 1711 zu einem wahren Boom von AG-Gründungen – neben Handelsgesellschaften konstituierten sich nun auch Manufakturen zunehmend als Aktiengesellschaften. Der neue Beruf des stock jobber (Aktienhändler) wurde wegen seiner sozialen Mobilität und seines „unsittlichen“ Profits stark angefeindet. Die anerkannten Erbwerbszweige waren landed interest (Grundbesitzer und Adelige) und professions (Offiziere, Geistliche, teilweise auch schon Kaufleute), money’d interest, also Profit durch fremde Schulden und durch Aktienhandel galt als unmoralisch: John Hopkins verdiente auf diese Weise 500.000 £ im Jahr und erhielt dafür den Beinamen vulture (Geier).
In diesem Klima des Profits wurde 1711 auf Initiative des Finanzministeriums die South Sea Company gegründet, um die drückenden Schulden abzubauen: statt eines Startkapitals mußte die Gesellschaft 9 Millionen £ an staatlichen Schulden übernehmen. Als Anreiz für die Aktionäre bekam sie nach dem Vorbild der East India Company das Monopol auf den Südamerika-Handel – mit dem kleinen Schönheitsfehler, daß Südamerika fest in spanischer Hand war. Die Direktoren bemühten sich trotzdem um einen hohen Aktienkurs, um das drückende „Startkapital“ abzubauen. Bis 1720 funktionierte dieses Verfahren tatsächlich: trotz eines Schuldenberges von mittlerweile 11 Millionen £ übernahm die South Sea Company zusätzlich 80% der Staatsschulden – etwa 50 Millionen £. Um die Anleger in Sicherheit zu wiegen und teilweise auch aus Naivität brachten sogar Regierungsmitglieder ihr Geld ein. Dieser Vertrauensbeweis wirkte: der Kurs der Aktie schoß von 100 £ im Januar 1720 auf 1050 £ im Juni hoch. Als sich Mitte August erste Anzeichen einer Überreizung zeigten, verabschiedete das Parlament mit dem bubble act eine Reihe von Vorgaben, die eine Wiederholung der drohenden Katastrophe verhindern sollten. Für die South Sea Company selbst kam das Gesetz natürlich zu spät: Immer mehr Anleger sprangen ab, im September 1720 waren die Aktien fast wertlos, viele hatten alles verloren. Dieser erste große Aktienkrach war ein traumatisches Erlebnis, händeringend wurde nach Verantwortlichen gesucht, die man in den Direktoren gefunden zu haben glaubte. Das Vertrauen in den Aktienmarkt war schwer erschüttert.