8.2 Auswirkungen auf die unteren Schichten

Auf dem Land waren die unteren Schichten von den Großbauern abhängig, in den Städten gab es verschiedene Möglichkeiten, aber auch hier war die Arbeit knapp. Die Fabriken gaben den Rhythmus vor: 12 Stunden Arbeit zu festgelegten Zeiten, was für die nicht an Uhren gewöhnten Neuankömmlinge eine große Umstellung bedeutete. Die Löhne waren sehr niedrig, so daß alle Familienmitglieder arbeiten mußten. Starker Alkoholkonsum, begünstigt durch die extrem niedrigen Ginpreise, führte zur Verelendung und frühzeitigem Tod. Trotzdem war die Lage besser als im 17. Jahrhundert auf dem Land, auch wenn Mißernten und steigende Preise als sehr negativ empfunden wurden. Die Proteste gegen Preiserhöhungen hatten unterschiedliche Gründe, von einem Klassenbewußtsein der städtischen Arbeiter kann man allerdings noch nicht sprechen. Die Motivation war eher traditionell, es ging darum, den Zustand zu bewahren bzw. alte Rechte einzufordern. An den bread riots waren vor allem Frauen stark beteiligt, ihre Forderung nach billigem Brot wurde noch oft von den Magistraten unterstützt, die kaum Strafen verhängten und teilweise den Händlern sogar Auflagen machten.

Über die Niedriglohnpolitik und die Festsetzung von Maximallöhnen herrschte dagegen Konsens zwischen Verwaltung und Unternehmern. Gleichzeitig gab es ein nur schlecht funktionierendes soziales Netz: Die Armenfürsorge (poor relief) war auf eine ländliche Basis ausgerichtet und versagte in den Städten. Es wurden nur deserving poor unterstützt, also Alte, Kinder und Kranke, gesunde Arbeitslose erhielten nichts. Zudem zahlte man nur an Mittellose, weshalb auch kein Mitglied der Unterschichten sparte: Jedes Vermögen führte zum Entzug der Unterstützung. Die zuständige kommunale Instanz war die Kirchengemeinde, deren Gemeinderat einen ehrenamtlichen overseer of the poor wählte. Er sammelte die poor rates und verteilte sie nach Gutdünken an die Bedürftigen. Ergänzt wurde diese öffentliche Fürsorge durch freiwillige private Initiativen, was die soziale Hierarchie festigte. In den Städten gab es nun das Problem, daß die overseer den größten Teil der Bedürftigen nicht kannten, und daß in einzelnen Gemeinden einer großen Stadt nur Arbeiter und Arbeitslose wohnten, die die Fürsorge nicht aus eigener Kraft finanzieren konnten. Das System brach zusammen, mehrere Reformversuche schlugen fehl. Erst 1834 wurde ein neues Gesetz zur Armenfürsorge verabschiedet.