Nur an zwei Stellen wurde tatsächlich versucht, das Wort „Intellektueller“ positiv zu füllen: 1919 schrieb Hugo Ball in seinem Buch „Zur Kritik der deutschen Intelligenz“ über die Zustimmung zum Ersten Weltkrieg, „93 Intellektuelle bewiesen durch ein bombastisches Manifest, daß sie als Intellektuelle nicht mehr zu zählen sind“. Ähnlich entschieden äußerte sich Heinrich Mann: „Ein Intellektueller, der sich an die Herrenkaste heranmacht, begeht Verrat am Geist.“ Intellektuelle werden hier definiert als Widerpart der Herrschenden. Die folgenden Jahrzehnte waren aber weit davon entfernt, diesen „machtkritischen“ Ansatz konsequent zu verfolgen und sprachlich durch Kennwörter und positive Konnotationen verteidigungsfähig zu machen. Man wich auf Ersatzbegriffe aus. Sogar Heinrich Mann, der als Einziger das Wort „Intellektueller“ durchgehend positiv verwendet, benutzt 1928 in einer wichtigen Rede vor der „Sektion für Dichtkunst“ in der Preußischen Akademie das Wort „Geistige“. Den „Geistigen“ spricht er jene Machtdistanz und den Gegensatz zu der politisch mächtigen Wirklichkeit als Verfechter der „Wahrheit“ und „Gerechtigkeit“ zu. Kurz darauf spricht er aber von „jenen Geistigen, die sich ihr (der politisch mächtigen Wirklichkeit) unterwerfen“. Wie bei Curtius und Döblin muss das Wort „Geistige“ auch herhalten als Bezeichnung derer, die der intendierten Definition nicht entsprechen. Offenbar gab es im politischen Vokabular der bürgerlich-liberalen Mitte eine Leerstelle: Eine exklusive Bezeichnung für den Vertreter des handlungsorientierten, positiven Geistes fehlte.
Trotz des Mangels an terminologischer Geradlinigkeit hätte „Geistige“ angesichts der Bemühungen gerade Heinrich Manns und Döblins zum Fahnenwort werden können – wenn dieses Ersatz-Wort nicht häufig ohne Not negativ, als Synonym zum Schimpfwort „Intellektueller“ gebraucht worden wäre. Einbußen erlitt die Reputation zunächst durch abträgliche Antithesen von „Geistigen“ und „Politischen“ bei Döblin, oder den Rangunterschied zwischen „bloß Geistigen“ und „Menschenbildnern“ bei Stefan Zweig. Für den „Intellektuellen“ waren aber jene Antithesen folgenschwer, die die „Geistigen“ auf seine Kosten rühmten – eine Tradition, die die Aktivisten begründeten: „Geistige sind Erlöser [...] Intellektuelle sind ... nichts.“ Das Endprodukt aller dieser widerstrebenden Kräfte ist ein komplettes Durcheinander. Zur Verteidigung wurden in einem Leserbrief offenbar wahllos Wörter genutzt – „nichtfaschistische Intelligenz“, „Kopfarbeiter“, „Geistige“, „Künstlerblock“ – nur der „Intellektuelle“ fehlte ganz. Der bereits erwähnte letzte Ersatzversuch, „geistiger Mensch“, findet sich zwar häufig bei den Gebrüdern Mann, bei Döblin, bei Curtius und in den Zeitungen, und sie wird eindeutig positiv verwendet. Es blieben aber die Schwächen: Die Fügung wurde als Synonym zum „Intellektuellen“ verwendet oder drückte durch ihre Spitzenstellung den „Intellektuellen“ auf die Negativskala. Im ersten Fall fehlt es an hermetischer Abdichtung von der negativen Sphäre; der zweite Fall unterstützt wieder die Festschreibung des Schimpfworts. Zudem eröffneten alle Abkömmlinge des Wortes „Geist“ durch ihre Kontrastierung mit „Materie“ alle Möglichkeiten der Ironie, denen „Intellektueller“ vielleicht weniger ausgesetzt gewesen wäre.