4.1. Die Bedeutung des kurzen Parlaments

Nach dem Fiasko beim schottischen Feldzug brauchte Karl das Parlament, um wieder Geld und damit Machtmittel zu bekommen. Nach Ansicht der Revisionisten war die Regierung Karls bis 1640 stabil und der 1. Bischofskrieg der einzige Grund für die Probleme. Außerdem hätte Karl, der keine absolutistischen Tendenzen hatte, auch ohne diesen Anlaß ein Parlament einberufen. Diese Deutung verkennt den Unmut im Volk über Karls religiöse und finanzielle Maßnahmen und die permanenten Geldsorgen der Krone. Für den König waren die Abgeordneten eine reine Zustimmungsinstanz, er erkannte ihre Rechte nicht an und war insofern tendenziell absolutistisch gesinnt.

Jedenfalls war die Situation nun sehr ungünstig. Es gab eine starke Opposition aus Puritanern und Calvinisten, Laud witterte dahinter eine Verschwörung, Karl wegen des fehlenden Gehorsams im Bischofskrieg auch. Er hoffte, daß der traditionelle Haß der Engländer gegen die Schotten das Parlament zu Subsidien bewegen würde und hatte im Vorgriff schon 232.000 £ bei seinen Höflingen geliehen. Unter den Abgeordneten war aber die Empörung über die königliche Politik größer als die chauvinistische Abneigung, so daß kein Geld bewilligt wurde. Vielmehr hielt John Pym am 17. April 1640 eine Rede über die Mißstände im Land, die

  1. in den Vergehen gegen die Freiheiten und Privilegien des Parlaments (der Ursache für alle weiteren Mißstände),
  2. in den Neuerungen im kirchlichen Bereich und
  3. im Angriff auf das zu schützende Eigentum der Bürger

bestünden. Dieses unbotmäßige Parlament tagte nur vom 13. April bis zum 5. Mai (short parliament). Ausschlaggebend war vor allem die Meinung des königlichen Beraters Wentworth (später Earl of Strafford), der seit 1629 auf Karls Seite stand und nun aus Irland, wo er effektiv und brutal jeden Widerstand unterdrückt hatte, zurückgeholt wurde. Er suggerierte Karl, ein Parlament sei unnötig, die Schotten könnten geschlagen werden und im Kriegszustand sei der König nicht an die Verfassung gebunden. Da die Krone aber weiterhin kein Geld und keine Machtmittel hatte, konnte wieder nur ein völlig desolates Heer gegen die motivierte schottische Miliz aufgestellt werden, daß sich angesichts des Feindes auflöste. Im August 1640 überschritten die Schotten die Grenze zu England. Obwohl die königlichen Heere denkbar schlecht waren, hatten die Feldzüge bisher 1.000.000 £ gekostet, so daß alle Mittel aufgebraucht waren. Karl widersetzte sich bis zuletzt einem Friedensschluß, aber sein einsichtigerer privy council setzte im Oktober 1640 den Treaty of Ripon durch, mit dem der 2. Bischofskrieg endete. Nun mußte die Krone den Schotten 840 £ täglich zahlen, um deren Heer auf englischem Boden zu unterhalten.