Bei einem Überblick über die bisher aufgeführten Merkmale, so zeigt sich, dass jede Eigenschaft des „Intellektuellen“ dem Negativbild eines typischen „deutschen“ Wesenszuges entspricht: Der „Intellektuelle“ ist „charakterlos“ – „Charakter haben und deutsch sein, ist ohne Frage gleichbedeutend“. Der „Intellektuelle“ ist „jüdisch“ – „Der Jude ist der Gegenmensch, der Antimensch.“ Der „Intellektuelle“ als „undeutscher“ Typ par excellence erschien deshalb nicht nur als Widerpart zum „geistigen Deutschland“, sondern zu allen nationalsozialistischen Spitzenwerten, zum „Volk“, zum „Führer“. Die Bestimmung „Gegner der nationalsozialistischen Spitzenwerte“ ermöglichte nun eine gefährliche Ausweitung der Verwendung von „Intellektueller“ durch den Umkehrschluss: Auf der Suche nach universellen Feinden wurde jeder potentielle Gegner zum „Intellektuellen“ deklariert, das Wort wird zum emotionsgeladenen Schimpfwort gegen Widersacher überhaupt. Tatsächlich trat Hitler jedem Widersacher oder Abtrünnigen mit diesem Vorwurf entgegen: Otto Strasser, dem Exponenten des sozialistischen Flügels 1930, dem Berliner SA-Führer Walter Stennes 1931 und dem SA-Chef Ernst Röhm 1934. Selbst die Stabsoffiziere der Wehrmacht beschimpfte er Anfang 1945 nach dem Fall Warschaus an die Rote Armee als „Intellektuelle“. „Intellektueller“ – das war die universelle Waffe.