Nach dem Tod Annes, der Schwester der Königin Maria, hatte Georg I. (wie im act of settlement geregelt) den Thron bestiegen. In der Bevölkerung war diese Thronfolge äußerst umstritten, der Enkel Jakobs, Karl Eduard („bony Prince Charlie“) trotz seines katholischen Glaubens sehr beliebt. Georg traf erst sieben Wochen nach Annes Tod in London ein – ein deutlicher Affront gegen die Stellung des englischen Königs – er konnte kein Englisch, kannte die englischen Adelstitel nicht und interessierte sich kaum für Politik. Ein Arbeitstag von drei Stunden erschien ihm ausreichend, oft reiste er für Wochen zurück nach Hannover. Seine Manieren waren schlecht, die Frauen seiner Umgebung häßlich, er selbst war unbegabt und träge. Trotz der denkbar schlechten Voraussetzungen gab es erstaunlich wenig Widerstand: ein erster Aufstand 1715 in Schottland wurde niedergeschlagen, der Atterbury plot 1722 scheiterte. Sein Glück war tatsächlich, daß die Stuarts katholisch waren. Obwohl also die Opposition gegen ihn nicht bedrohlich war, fürchteten die Zeitgenossen eine neue Revolution.
Die Whigs nutzten die Unruhen, um die Tories als Staatsfeinde zu diffamieren. Diese hatten unter Anne regiert und standen hinter dem unpopulären Frieden von Utrecht, für dessen Annahme im Oberhaus Anne sogar 12 neue peers ernannt hatte (eine Gesetzesvorlage gegen dieses Vorgehen, die peerage bill, scheiterte allerdings). Nun wurden die ehemaligen Machthaber von ihren politischen Gegnern mit den Aufständen verknüpft und zu Stuart-Anhängern erklärt, während die Whigs selbst sich lauthals für die protestantische Thronfolge und Georg I. aussprachen. Es gelang ihnen, 1716 mit dem septennial act die Legislaturperioden auf sieben Jahre auszudehnen mit dem Argument, Wahlen bedeuteten weitere Unruhe.
1720 begann die Herrschaft des Whigs Robert Walpole. Er hatte es über verschiedene Ämter im Kriegsministerium und im Schatzamt bis zum Schatzmeister (first lord of the treasury) gebracht, war aber 1717 von einem konkurrierenden Flügel der Whigs gestürzt worden. Georg I. entließ Walpole und dessen Partner Townshend und setzte seine Günstlinge Stanhope und Sunderland an ihre Stelle. Wegen der politischen Unfähigkeit Stanhopes bekam der ausgewiesene Finanzexperte Walpole eine zweite Chance und wurde zunächst nur paymaster general unter dem Schatzmeister Sunderland. Die Aufgabe als stream master general nach dem South Sea Bubble – in den er als einer der wenigen Regierungspolitiker nicht verwickelt war – sicherte ihm das Wohlwollen des Königs: Es gelang es ihm, die meisten Regierungsmitglieder aus der Schußlinie zu bringen und die Staatsfinanzen einigermaßen zu ordnen. Dazu kamen für ihn glückliche Umstände: In den Jahren zwischen 1721 bis 1724 starb auch eine Reihe von Tory-Bischöfen, die der König auf Walpoles Betreiben durch Whigs ersetzte. Mit Sunderlands Tod war der zweite große Gegenspieler aus dem Weg geräumt und Walpole stieg zum Schatzmeister auf. Seine unbeschränkte Machtausübung – von Zeitgenossen als robinocracy oder whig supremacy bezeichnet – sollte rund zwei Jahrzehnte dauern.
Eine Beurteilung Walpoles ist schwierig. In den 50er Jahren wurde er von der Forschung euphorisch als Finanzgenie und erster Premierminister, der den Rahmen der bill of rights voll ausnutzte und mit dem Unterhaus regierte, betrachtet. Demgegenüber betrachteten die Zeitgenossen Walpole als machtgierig und korrupt: Henry Fielding, einer der größten Romanciers des 18. Jahrhunderts und Kritiker Walpoles, schrieb 1742 den Roman Jonathan Wild the Great, die fiktive Biographie eines erfolgreichen Räubers, die deutliche Verweise auf den Whig-Politiker enthielt. Walpole hatte einige Jahre zuvor den theatre license act durchgesetzt und damit die Aufführung von Fieldings Stücken verhindert. Tatsächlich war Walpole ein fähiger und geschickter Politiker, der seine politischen Ziele und seinen eigenen Vorteil durchzusetzen verstand. Er handelte weder nach einer bestimmten Ideologie noch kannte er moralische Skrupel. Seine Methode der Bestechung und Beeinflussung – das system of corruption – hatte er nach dem South Sea Bubble erfolgreich erprobt und setzte es konsequent ein.
Als Angehöriger der ländlichen gentry hatte er eine gute Ausgangsposition: Die meisten Abgeordneten hatten einen ähnlichen Hintergrund (Voraussetzung für das passive Wahlrecht war ein Einkommen von 600 £ jährlich aus Grundbesitz), was er durch Kultivierung seines Dialekts, eine Vorliebe für Fuchsjagden und eine demonstrative Gastfreundschaft stark betonte. Dadurch hatte er auch zu seinen politischen Gegnern, den Tories, eine gewisse Beziehung, auch wenn das öffentliche Bild des ehrlichen, bodenständigen Landbesitzers schon bald nicht mehr der Realität entsprach. In die Politik war er durch die Bekanntschaft mit einflußreichen Whigs gekommen, durch die Heirat mit einer Londoner Kaufmannstochter bekam er einerseits Zugang zu den mächtigen Kaufleuten, andererseits eine hohe Mitgift. Er war kein rhetorisch brillanter oder mitreißender Redner, konnte seine Zuhörer im Parlament aber stets überzeugen. Macht war ihm sehr wichtig, sowohl als Selbstzweck als auch zur Mehrung seines Vermögens, zur Sicherung der hannoveranischen Thronfolge und für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes.
Eine Grundlage seiner Macht war das gute Verhältnis zur Krone, das er sich als stream master general erarbeitet hatte und durch seine Beziehungen zur Duchess of Kendal, einer Mätresse des Königs zu erhalten wußte. Der plötzliche Tod Georg I. 1727 überraschte Walpole, aber er „took the right sow by the ears“: Mit Hilfe Carolines, der Gemahlin Georg II., konnte er auch auf den Thronfolger genug Einfluß ausüben. Zusätzlich setzte er einen Betrag von 800.000 £ für die civil list durch, was den König natürlich ebenfalls milde stimmte. Neben der Krone waren auch seine Parteigänger und Gefolgsleute im Parlament wichtig. Walpole achtete darauf, daß alle fähigen Leute (wie William Pulteney) entweder ausgeschaltet oder mit ehrenvollen Posten außerhalb der Umgebung betraut wurden. Die Schlüsselpositionen vergab er an mittelmäßige Politiker wie den Duke of Newcastle, der ihm treu ergeben war und außerdem über weitreichende Klientelverbindungen verfügte. Entscheidend waren natürlich die Machtverhältnisse im Parlament. Walpole hatte schon 1723 eine peerage ausgeschlagen und unmittelbar auf seinen Sohn übertragen lassen, um weiter im Unterhaus agieren zu können. Obwohl die Tories eigentlich eine Mehrheit im Volk hatten, profitierten die Whigs von Mehrheiten in relativ kleinen Wahlkreisen und der Unterstützung einer Reihe von Lords (zwischen 100 und 167), die das Wahlverhalten in ihren Bezirken bestimmen konnten. Auch viele der einflußreichen Friedensrichter unterstützten die Whigs. Durch diese Verzerrungen vertrat ein Whig-Abgeordneter im Schnitt erheblich weniger Wähler als ein Tory. Als Finanzminister hatte Walpole natürlich die besten Möglichkeiten, die Wähler mit materiellen Zuwendungen zu bestechen, und machte davon ausgiebig Gebrauch. Bei strittigen Wahlergebnissen wurde grundsätzlich für den Whig-Kandidaten entschieden, ein Verhalten, das allgemein als schäbig empfunden wurde und Walpole viele Sympathien kostete. Die unmittelbarste Beeinflussung war bei den placemen möglich: Diese Parlamentarier hatten neben ihrem Sitz ein nominell königliches Amt, das sie faktisch oft vom Finanzministerium oder vom Duke of Newcastle bekommen hatten. Ein Drittel des Unterhauses war mit placemen besetzt, die in jedem Fall mit Walpole stimmen mußten, wenn sie nicht ihr Amt verlieren wollten. Politische Gegner wurden oft mit Ämtern geködert, denn „jeder Mann hat seinen Preis“ (Walpole).
Den einzigen größeren Mißerfolg hatte Walpole während seiner Herrschaft mit der Einführung einer weiteren excise: Zusätzlich zur bestehenden Steuer auf Salz und Seife wollte er die importierten Güter Tabak und Wein besteuern und im Gegenzug die Importzölle abschaffen. Das hätte den Re-Export erleichtert und den Schmuggel ausgetrocknet, man erwartete Mehreinnahmen von 500.000 £ pro Jahr. Trotz der unwesentlich höheren Belastung der Verbraucher erhob sich wütender Widerstand im ganzen Land: Die Eintreiber der neuen Behörde sollten ein Durchsuchungsrecht für Lagerhäuser bekommen. Dieser Angriff auf das eigene Hausrecht war für die Mehrheit der Engländer unzumutbar und führte zu einer excise crisis. Ein weiteres, etwas abstruses Argument war die weitere Stärkung Walpoles durch eventuell als Eintriber arbeitende Parlamentarier. Jedenfalls mußte Walpole den Plan 1733 aufgeben, was eine erhebliche Schwächung seiner Position bedeutete: Als Finanzminister hatte er eine finanzielle Maßnahme nicht durchsetzen können. Daß es ihm 1734 gelang, Englands Verwicklung in der polnischen Erbfolgekrieg zu vermeiden, wurde ihm eher zur Last gelegt, zumal der König und eine Gruppe von Höflingen durchaus für den Krieg waren.
Zu seinem Sturz führte schließlich der Konflikt mit Spanien. Schon seit Anfang der 30er Jahre bekämpften sich spanische und englische Händler auf den Meeren und warfen sich gegenseitig Seeräuberei vor. Im Parlament war die Stimmung für einen Krieg mit Spanien, Walpole war aus rationalen Erwägungen dagegen. Trotzdem konnte er den war of Jenkins’ ear nicht verhindern: Ein englischer Kapitän kam 1739 ins Parlament und berichtete detailliert von einem Überfall spanischer Piraten, die ihn mit dem Ohr an den Mast genagelt hatten. Das Ohr hatte er als Beweis mitgebracht. Die Abgeordneten waren erschüttert und forderte den Krieg, Walpole gab widerwillig nach. Nach Verlusten für die Whigs in den Wahlen von 1741 trat er 1742 zurück. Es folgte eine längere Phase der innenpolitischen Instabilität, in der der König mit wechselnden Gruppen paktierte.