Im Mai 1778 wurde in Philadelphia ein mittelalterliches Ritterturnier veranstaltet mit drei Mannschaften zu je sieben Rittern. Man kämpfte mit Lanzen und Schwertern und beendete das Schauspiel erst, als 14 Jungfrauen in seidenen Gewändern die Ritter um Frieden baten. Anschließend versammelten sich Ritter, Jungfrauen und Zuschauer zum Ball in einem verspiegelten Saal. Der Anlaß für dieses seltsame Schauspiel war die Verabschiedung des Kommandeurs der britischen Truppen in Nordamerika nach einer verlorenen Schlacht, Hintergrund war die Besinnung auf alte Werte in schwieriger Zeit. In England ließen sich Adelige zu dieser Zeit bevorzugt in Ritterrüstungen abbilden.
Das öffentliche Bild des Adels war allerdings von anderen Darstellungen bestimmt. Exemplarisch war das Verhalten des 1762 geborenen Thronfolgers, des späteren Königs Georg IV. Sein Vater versuchte, ihn zu einem Staatsmann zu machen und kritisierte ihn ständig, während er selbst sich vor allem um Wein und Frauen kümmerte. Seine Affäre mit einer verheirateten Schauspielerin stürzte ihn in tiefe Schulden, als sie drohte, ihre Geschichte zu veröffentlichen und Schweigegeld forderte. Sein Versuch, diese Schulden bei Pferdewetten zu begleichen und sein Hang zu schloßähnlichen Bauten verschlimmerten seine Situation. 1784 kam die Wende: Georg verliebte sich in der bürgerliche, verwitwete Katholikin Maria Fitzherbert und heiratete sie heimlich, da dem englischen Thronfolger offiziell eine anglikanische Ehe vorgeschrieben war. Die Öffentlichkeit nahm an, er habe nun eine permanente Mätresse und war zufrieden. Mitte der 90er Jahre aber forderte das Parlament endlich eine Heirat und einen Thronfolger. Georg willigte ein und ließ eine standesgemäße Braut suchen. Die Wahl fiel auch Prinzessin Caroline von Braunschweig, deren exzentrisches und ordinäres Verhalten ihr ein bisher ungekanntes Medienecho sicherte. Als der Thronfolger seine Braut am 5. März 1775 zum ersten Mal sah, wurde ihm schlecht. Trotzdem gelang es ihm, einen Sohn zu zeugen, der allerdings erst nach der Trennung von Caroline geboren wurde. Auch seine Schwester Caroline Mathilde trug zum Imageverlust des Adels bei: Sie hatte eine Affäre mit einem Minister ihres Mannes, des Königs von Dänemark, und ließ sich in flagranti erwischen.
Skandale wegen Ehebruch und Bigamie in Kreisen des Adels waren ein ständiges Thema in der Presse, und obwohl die Mehrheit des Adels den Idealen der Zeit mehr oder weniger entsprach, galt die Aristokratie als libertinär und unmoralisch. Darüber hinaus wurden die Duelle von den Mittelschichten als barbarisch angesehen (während andererseits immer mehr bürgerliche Männer auf diese Weise ihre Ehre verteidigten). Auch die weitverbreiteten Wetten und Glücksspiele galten in ihrer adeligen Variante wegen der Höhe der eingesetzten Summen als obszön: Teilweise wurden an einem Abend bis zu 15.000 £ verspielt, einige Adelige nahmen sich wegen Zahlungsunfähigkeit das Leben. Die Erklärung für die Unmoral der Aristokratie waren die luxuriösen und scheinbar unbeschränkten Lebensumstände, in denen Adelige aufwuchsen. Früher hatte man den Luxus als Bestandteil der Erhabenheit des Adels betrachtet, nun schien er die Wurzel allen Übels zu sein. Die Mittelschicht empfand sich immer mehr als Träger der Moral.
In krassem Gegensatz zum schlechten Image des Adels stand seine Macht. Der gesamte Adel (inklusive der rangniedrigeren Baronets und Knights) machte 0,000857% der Bevölkerung aus (bei einer Gesamtbevölkerung von 10 Millionen Menschen). Den etwa 160 bis 200 Familien des Hochadels gehörten 20 bis 25% des Landes, hinzu kamen die Besitztümer des niederen Adels und der etwa 400 bürgerlichen Großgrundbesitzer. Nicht nur die Pachtzinsen aus dem Landbesitz flossen den Adeligen zu, einige betätigten sich auch als geschickte Unternehmer und investierten in Experimente mit Dünger und neuartigen Viehzuchtmethoden, in Aktien, Bergwerke und Manufakturen. Die Oberhäupter aller adeligen Familien verfügten über ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 5.000 bis 8.000 £ pro Jahr, besonders reiche wie der Duke of Newcastle nahmen über 30.000 £ jährlich ein. Zum Vergleich: Die Lebenshaltungskosten einer Mittelstandsfamilie im eigenen Haus mit einem Bediensteten betrufen jährlich 40 bis 50 £. Diesen gewaltigen Summen standen allerdings ebensolche Ausgaben gegenüber: In einem der üblichen Schlösser kostete allein die Beleuchtung mit Kerzen täglich 15 £, 860 £ jährlich waren für die Bediensteten aufzuwenden. Insgesamt verbrauchte die Unterhaltung eines größeren Landsitzes 5.000 £ pro Jahr. Der Sinn solcher Ausgaben war nicht allein Genußsucht oder individuelle Prunksucht, sondern auch die Aufrechterhaltung der eigenen Autorität. Der Glanz eines luxuriösen Landsitzes erzeugte bei den abhängigen Beobachtern Bewunderung und zementierte die Macht des Patrons.
Diese Macht war entscheidend für die Durchführung der Patronage. In vielen Wahlkreisen schlug der entsprechende Peer einen Parlamentskandidaten vor und erwartete ausdrücklich dessen Wahl. Noch 1807 erhielten 234 Abgeordnete ihr Mandat auf diese Weise. Hinzu kam die Verteilung lukrativer Ehrenämter oder hoher politischer Posten als Botschafter oder Regierungsbeamte an verdiente Gefolgsleute. Auch an dieser Praxis wurde von Leuten wie Thomas Payne und William Corbett (dem Herausgeber aller Parlamentsprotokolle des 18. Jahrhunderts) scharfe Kritik geübt. Payne und Corbett legten die Verknüpfungen zwischen Adel und Ämtern offen und bauschten die reale Vetternwirtschaft zu einer gigantischen Verschwörung auf: Ganze Kriege seien nur angezettelt worden, um Getreue mit Offiziersposten zu belohnen, Kolonien seien erobert worden, um Gouverneursposten zu schaffen. Diese neue Facette adeliger Vergehen paßte ins Bild der parasitären Adeligen, die England politisch und wirtschaftlich schadeten.