5.2. Charakterisierung der beiden Gruppen und Auslöser der Revolution

Wirtschaftliche Faktoren wie eine Depression im Textilgewerbe und Unruhen in London verstärkten die Aggressionen im Volk. Es kam zu Tumulten auf den Straßen, wodruch Druck sowohl auf Karl als auch auf das Parlament ausgeübt wurde. Radikale Parlamentarier wie Pym nutzten die aufgebrachten Massen zur Agitation und versuchten, mit weiteren radikalen Forderungen eine Ausweitung der Unruhen zu verhindern, andere fürchteten den Zerfall der sozialen Ordnung. Dieser Gegensatz führte zur Verhärtung der Fronten zwischen den Roundheads (wie man die puritanischen Abgeordneten wegen ihrer Frisuren nannte) und den Cavaliers (mit langen Haaren nach höfischer Art). Während beide Gruppen sozial und wirtschaftlich relativ gleich gestellt waren, lag der Altersdurchschnitt bei den Cavaliers mit 36 Jahren um mehr als zehn Jahre unter dem der Roundheads. Diese älteren Abgeordneten vertraten eher den radikalen Flügel, während die jüngere Gruppe konservativer war: einerseits hatten sie sich an die parlamentslose Zeit bereits gewöhnt und waren 12 Jahre im Sinne Lauds indoktriniert worden, andererseits konnten junge Politiker zu dieser Zeit nur am Hof wirklich Karriere machen. Ein weiterer Grund war schlicht die fehlende Erfahrung mit Karls Doppelzüngigkeit.

Neben dem Alter war auch die Religion ein wichtiges Kriterium, weil es in diesem Bereich keine Einigkeit über den zu bewahrenden Zustand gab. Edmund Calamy hatte im Dezember 1641 sogar eine Rückkehr zu einer reformatorischen Urkirche noch vor die Zeit Eduards VI. gefordert. Dadurch entfernten sich die Puritaner (die wichtigsten Königsgegner) von den gemäßigten Anglikanern, die Katholiken waren mehrheitlich auf Karls Seite. Der Kampf für die Religion blieb der wichtigste ideologische Faktor, was FRIEDRICH ENGELS zu dem Trugschluß verleitete, der Puritanismus habe eine inhärente revolutionäre Tendenz. Die Forderung nach religiöser Gleichheit war nicht gleichzusetzen mit der nach politischer Gleichheit, was zu dieser Zeit weder die Puritaner noch sonst eine religiöse Gruppe anstrebte. Die Puritaner waren nicht etwa egalitär, sondern extrem chauvinistisch, was auch eine bedeutende Antriebskraft für den Kampf gegen den Statthalter Gottes darstellte: als saints, als Heilige, konnten sie nicht sündigen und ruften deshlab auch den König bekämpfen. Allerdings hatte Lauds Religionspolitik religiöse und politische Opposition verbunden. Die Bezeichnung Puritanische Revolution ist insofern nicht gerechtfertigt, als auch für Freiheit und politische Rechte, nicht nur für die religiösen Überzeugungen der Puritaner gekämpft wurde. Die Zeitgenossen hatten kein Bewußtsein für die revolutionären Vorgänge, sie handelten im Bewußtsein, das Alte zu bewahren. Deshalb bezweifeln einige Historiker auch den Bezeichnung Revolution.