5.3. Wirtschaftliche Veränderungen

Im 18. Jahrhundert nahm die Bevölkerung des Königreiches stark zu: 1721 lebten 5,7 Millionen Menschen in England und Wales, 1783 waren es 7,6 Millionen, 1801 9,1 Millionen. Diese Tendenz wurde allerdings von den Zeitgenossen zunächst nicht bemerkt, man glaubte sogar, die Bevölkerungsdichte nehme ab. Gleichzeitig wurden innovative Techniken in der Landwirtschaft eingeführt, die vor allem den reichen und experimentierfreudigen Bauern nützten. Viele Kleinbauern sanken zu Landarbeitern herab oder zogen in die aufstrebenden Industriestädte. Kritik wurde vielfach an der Privatisierung und Einhegung (enclosure) von Gemeindeland geübt, die reiche Bauern durch ihre Beziehungen zu den Patronen durchsetzen konnten. In den Städten setzte sich währenddessen das Verlagssystem durch, und erste Manufakturen entstanden. Städte wie Birmingham, Manchester und Leeds wuchsen stark an und spezialisierten sich auf einzelne Industrien wie Eisen, Stahl, Woll- oder Baumwollverarbeitung. Luxusgüter konnten mit Hilfe von Maschinen wie der Spinning Jenny (1764) oder der Dampfmaschine (1769) billiger produziert werden und wurden so auch für die Mittelschichten erschwinglich. Flexible Unternehmer nutzten die neuen Möglichkeiten: John Wilkinson setzte ab 1775 Watts neue Dampfmaschine ein, baute 1779 die erste eiserne Brücke und 1787 das erste eiserne Schiff. Die Rationalisierungen in der Industrie brachten aber auch ein Heer von Arbeitslosen hervor. Die Fabrikarbeiter wurden durch kein Gesetz geschützt, es gab weder Betriebsrenten noch Kranken- oder Unfallversicherungen, lediglich teilweise freiwillige Leistungen der Arbeitgeber.

Das Wachstum der Wirtschaft unterstützte der Ausbau der Infrastruktur vor allem durch Kanäle: Im Jahr 1800 wurde nur ein Drittel aller Schiffstransporte auf natürlichen Flüssen gefahren. Die meisten Projekte beruhten auf privater Initiative, wie der Bridgewater-Kanal, den der Earl of Bridgewater für 250.000 £ zwischen seinen Kohlebergwerken und der Stadt Manchester bauen ließ. Trotz dierser gewaltigen Investition konnte der Earl den Preis der Kohle halbieren und weiterhin große Gewinne machen. Außer den Kanalanlagen wurden gebührenfinanzierte turnpike roads von privaten Investoren gebaut, die das Straßennetz innerhalb des Königreiches innerhalb weniger Jahrzehnte dramatisch verbesserten, da die Straßen ursprünglich Gemeindesache und dementsprechend nur auf die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinde zugeschnitten waren.

Die Löhne lagen in Großbritannien doppelt so hoch wie in Frankreich, was sich positiv auf die Nachfrage auswirkte und so ebenfalls zum Wirtschaftswachstum beitrug: Im 18. Jahrhundert verdreifachte sich der Binnenmarkt. Allerdings wurde diese gewaltige Wachstumsrate vom Export noch übertroffen, der sich im gleichen Zeitraum versechsfachte. Allein zwischen 1740 und 1770 stieg die Produktion im Export um 75%. Der Bedarf an Arbeitern wurde problemlos durch das Bevölkerungswachstum und die in die Städte strömende Landbevölkerung gedeckt. Londons Bevölkerung wuchs bis 1801 auf 950.000 Menschen an.