Während das vorangehende Merkmal deshalb primär von Linksmarxisten verwendet wurde, wurzelte der Vorwurf der Disziplinlosigkeit in der zentralistischen Parteitheorie Lenins. Ihr Kern war der Gedanke von einer straff aufgebauten Organisation von Berufsrevolutionären als zielklare Vorhut der gesamten Arbeiterklasse. Im Verhältnis zu den Linkskommunisten stieg „Disziplin“ nahezu zur differerentia specifica auf, die besonders in den Nachkriegswirren hervorgehoben wurde. Und deshalb war es gerade „Disziplinbruch“, den man den oppositionellen Gruppen, besonders den Linken und Ultralinken um 1925, immer wieder vorhielt. Dieses Wort wurde eng mit dem Wort „Intellektueller“ verwoben, wobei man sich auf Lenins Streitschrift gegen die Menschewisten von 1903 berufen konnte: Dort war von einem Konflikt der „Anhänger des bürgerlich-intellektuellen Individualismus [...] mit den Anhängern der proletarischen Organisation und Disziplin“ die Rede. Die „Intellektuellen als besondere Schicht der modernen kapitalistischen Gesellschaft“ seien gekennzeichnet durch „die Unfähigkeit zur Disziplin und Organisation“. Durch häufige Wiederholung wurde diese Verbindung so gefestigt, dass die Apostrophierung als „Intellektueller“ und der Vorwurf der „Disziplinlosigkeit“ durchaus voneinander entfernt stehen konnten – sie wurden vom Leser zusammengefügt. Die Disziplinlosigkeit blieb auch nach dem Sturz der Linken bis 1933 ein fester Bestandteil des „typischen Intellektuellen“.