Obwohl die Arbeiterführer oft wegen ihrer Sprache gerühmt wurden, konnte man Wortgewandtheit auch als bildungsbürgerliche Fähigkeit denunzieren und sie gleichzeitig mit dem Vorwurf des „Theoretisierens“ verknüpfen: „Wortemacherpack von Intellektuellen“, „Wortschwall“ usw. Bei der Debatte über die Organisationsform der Partei (nach Wohngebieten oder nach Betriebsgruppen) wurde dieser Vorwurf besonders wichtig. Die Plädoyers für eine wohnort-bezogene Organisation wurde als typischer Intellektuellentrick diffamiert: Die Intellektuellen wollten sich mit ihren besonderen intellektuellen Fähigkeiten einen Platzvorteil verschaffen, indem sie mit ihren langen Reden die ganze Diskussion beherrschten; während in den Betriebszellen die Arbeiterschaft Platzvorteile habe. Die Einprägsamkeit dieses Vorwurfs garantierte die Kennwörter „Phrase“ und „Phraseur“. Sie zogen ihre besondere Wirkung daraus, dass sie das Verfehlen der Realität und das mühelosen Erreichen der (leeren) Form gleichzeitig aufs Korn nahmen. Durch die Agitation des Komintern-Vorsitzenden Sinowjew 1925 gegen „ultralinke Phrasen“ und „linke Phraseure“ wurden die Kennwörter zur stehenden Formel bei der Verächtlichmachung der Intellektuellen, so dass sie während der Mittelstandskampagnen als Ersatzwörter für „Intellektueller“ herhalten konnten. Noch bis zum Ende der Weimarer Republik blieb die Koppelung von „Intellektueller“ und „Phrase“ erhalten. Sie hatte auch eine lange Tradition: Lenin schimpfte 1903 gegen den „bürgerlichen Intellektuellen [...], der mit anarchistischen Phrasen prunkt“ und auch 1920 waren ihm die Theorien der Linken vor allem „Phrasen“.