Das Merkmal (und Kennwort) „schwankend“ leitete sich aus der sozioanalytischen Charakterisierung der Intellektuellen als „Übergangsklasse“ her und war als solches zunächst neutral, wurde aber schon bald zur verächtlichen Charakterschwäche umgemünzt. Für Lenin war „der charakterlose und seine Losungen wie das Hemd wechselnde intelligenzlerische Teil der Partei“ die größte Gefahr für die Organisationsdisziplin. Der „schwankende Intellektuelle“ wurde zum stehenden Begriff und bezog sich keineswegs mehr auf die Zwischenstellung zwischen proletarischem und bourgeoisem Pol. Das „Schwanken“ wurde auch als Zeichen einer „inneren Haltlosigkeit“ verstanden und damit als „krankhafte“ Erscheinung. Damit war die Abgrenzung von den „gesunden“ Arbeiterelementen perfekt, wenn es auch an einer gleich stereotypen Bezeichnung für das Krankhafte im Intellektuellen fehlte; er war „dekadent, „hysterisch“, „halbverfault“, „wurzellos“ oder einfach „krank“. Auch hier wird man – wie schon bei „intstinktlos“ – an die faschistische Sprache erinnert. Auf politischem Parkett drückte sich das Schwanken im „Opportunismus“ aus. Keinen Charaktermangel hat Lenin öfter und kräftiger unterstrichen als diesen, oft auch durch enge grammatische Koppelung: „Intellektuellen-Opportunismus“, „opportunistisch-intelligenzlerisch“, „intellektuell-opportunistisch“.