Populärer als Keyserlings leicht versponnene Theorien war Alfred Döblins 1931 erschienenes Buch „Wissen und Verändern“. Sein Ziel war es, die Bildung einer isoliert hochgezüchteten Schicht so abzuflachen, dass eine Bewegung in Richtung „ungebildete Masse“ möglich werde. Seine Analysen, Ratschläge und Empfehlungen wurden von einem zentralen Gedanken getragen: von einer Ortsbestimmung der deutschen „Intelligenz“, die in der Nähe der Arbeiterschaft eine dritte Position beziehen müsse. Diese Position sei „die urkommunistische der menschlichen individuellen Freiheit, der spontanen Solidarität und Verbindung der Menschen“. Jene, die diese bisher leere Position einnehmen sollten, bezeichnete er nicht als Intellektuelle, sondern als „Geistige“. Allerdings hält er seine Terminologie nicht konsequent durch, indem er auch die als „Geistige“ bezeichnet, die in Gegenwart und Vergangenheit seinen Standpunkt ganz und gar nicht geteilt haben, die unsolidarischen, ignoranten „Geistigen“. Negative und positive Verwendungen des Begriffs durchziehen das ganze Buch. Gleichzeitig führt er Synonymenreihen auf wie „die Gebildeten, die Intellektuellen, die ‚Kopfarbeiter’, die Geistigen“. Offensichtlich genügt „Geistiger“ bei Döblin den Anforderungen an eine klare und eindeutig positive Bezeichnung nicht, „Intellektueller“ aber noch weniger, weil es entweder nur in Synonymenreihen oder in negativen Zusammenhängen auftaucht. Eine sprachliche Fügung, die ausschließlich positiv verwendet wird, taugte auf Grund ihrer zweiteiligen Form kaum als Fahnenwort und ist zudem ausgesprochen ironieanfällig: „geistiger Mensch“.