6.4. Frauen und Familienleben zwischen 1640 und 1660

Die rechtliche Stellung der Frau war problematisch: als Kind mußte sie ihrem Vater gehorchen (wie auch die Söhne), mit der Heirat verlor sie ihre Rechtsidentität und wurde zur feme covert, d.h. sie wurde rechtlich durch ihren Mann vertreten. Unverheiratete Frauen galten als noch zu verheiratende und bildeten im übrigen eine relativ kleine Gruppe. Durch den Bürgerkrieg wurde dieses System allerdings schwer erschüttert: weil viele Männer außerhalb ihrer Grafschaft kämpften, mußten die Frauen selbst Verantwortung übernehmen und die Arbeit der Männer erledigen. Vor allem adelige Frauen verwalteten selbständig Güter und kommandierten die (männliche) Besatzung ihrer Kastelle gegen etwaige Belagerungen. Dabei waren sie durchaus von Standesdünkel geprägt: eine adelige Kommandantin verweigerte Verhandlungen mit einem bürgerlichen Captain unter Hinweis auf ihre Stellung. Auf der anderen Seite konnten sie ihre Position als Dame (der gegenüber ein Mann höflich und ritterlich zu sein hatte) ausnutzen und ihre Gegner zu weitreichenden Zugeständnissen zwingen. Briliana Lady Harvey (aus der niederländischen Stadt Brill) z.B. verteidigte ihre Güter, indem sie profesionelle Taktik mit der Aufrechterhaltung der weiblichen Bescheidenheit verband.

Auch die nichtadeligen Frauen übten direkt oder indirekt militärische Funktionen aus: als Spioninnen waren sie besonders geeignet, weil Männer Frauen prinzipiell für harmlos hielten, als camp followers (Krankenpfelgerinnen, Wäscherinnen, Prostituierte und Ehefrauen der Soldaten) versorgten sie das Heer und als Mann verkleidet kämpften sie sogar aktiv. Die Ehefrauen, die dem Geliebten mit dem Heer fiolgten, wurden allgemein als dumm angesehen, romantische Liebe galt überhaupt als unnütz und gefährlich, bei Männern wie bei Frauen.

Rechtliche und politische Geschäfte mußten vor allem die Frauen der getöteten oder exilierten Royalisten übernehmen, z.B. verhandelten sie über die Rückgabe konfiszierten Landes (erhielten aber meist nur ihre Häuser zurück) oder betrieben fund raising für die Partei ihrer Ehemänner. Diese Tätigkeiten im Namen des Mannes war anerkannt, eigene politische Petitionen dagegen galten als unerhört: eine Friedenspetition von 6.000 Frauen mit weißen Bändern im Haar wurde vom Parlament als Versammlung von Huren diffamiert. Weil die trained bands Skrupel hatten, mit Gewalt gegen die Frauen vorzugehen, ließ man die Kavallerie in die Menge reiten. Im April 1649 versuchten erneut Frauen, eine Petition zur Freilassung des Levellers John Lilburne einzubringen. Ein Abgeordneter sagte, sie sollten nach Hause gehen und abwaschen, worauf sie erwiderten, es gäbe kein Geschirr mehr. Die Abwehr politischer Aktionen durch Frauen mit dem Hinweis auf fehlende Legitimation konterten die Frauen mit der Frage nach der Rechtmäßigkeit der Hinrichtung des Königs. Sie forderten ihren Teil der vom parlament versprochenen Rechte und Freiheiten. Durch den Zusammenbruch der Zensur stiegen auch die Veröffentlichungen durch Frauen sprunghaft an.

Die Sekten, die die völlige Gleichheit der Gläubigen vertraten (Quäker u.a.) schränkten die Gehorsamspflicht und die Religionsfolge der Ehefrau gegenüber dem Ehemann ein, was in der Bevölkerung auf starken Widerstand stieß. Außerdem durften in einigen Gemeinden auch Frauen predigen, entsprechend der These, Gott sei in jedem Gläubigen. Prophetinnen, aus denen die Stimme Gottes sprach, waren dagegen (schon im 16. Jahrhundert) anerkannt. Das Vordringen der Frauen war also teilweise, solange sie sich als Vertretung ihres Mannes verstanden, akzeptiert. In und nach dem Bürgerkrieg wandelte sich die Rolle der Frau langsam.